Chaithanya Kotha
NovaGuide bietet barrierefreie Indoor-Navigation für blinde und sehbehinderte Menschen in öffentlichen Gebäuden. Durch die Kombination von IMDF-basierten Kartendaten (Indoor Mapping Data Format) mit adaptiven Benutzeroberflächen ermöglicht das System eine unabhängige Mobilität – ganz ohne zusätzliche Infrastruktur oder teure Hilfsmittel-Hardware.
Während die Navigation im Außenbereich dank GPS längst gelöst ist, bleibt die Orientierung in Gebäuden eine der größten Barrieren im Alltag – besonders in komplexen Umgebungen wie Bahnhöfen, wo eine präzise und absolut zuverlässige Führung überlebenswichtig ist. Die Idee entstand in unserem Team und wurde während des Digital Mobility Lab BW 2025 der staatlichen Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg GmbH (NVBW) strategisch weiterentwickelt.
Aktuell kooperieren wir mit der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), für die wir bereits eine reale Station auf Basis ihrer Geodaten im IMDF-Standard kartografiert haben. Dieser Prozess hat zwei kritische Marktlücken offengelegt: Das Fehlen barrierefreier, nutzerzentrierter Indoor-Navigationslösungen sowie den Mangel an effizienten Werkzeugen zur Erstellung von räumlichen Indoor-Daten. NovaGuide löst beide Probleme.
Unsere Anwendung bietet eine multimodale Navigation auf einer einzigen Plattform:
- Audioführung für blinde Nutzer:innen
- Optimierte visuelle Interfaces für Menschen mit Sehbehinderung
- Klassische kartenbasierte Navigation für sehende Personen
Ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal ist unsere integrierte „Helfer-Funktion“, die es ermöglicht, per Knopfdruck menschliche Unterstützung hinzuzuschalten, falls die automatisierte Navigation in einer Situation einmal nicht ausreicht. Durch die Kombination von Barrierefreiheit, offenen Datenstandards und dem direkten Praxistest in realen Umgebungen schafft NovaGuide das Fundament für eine skalierbare, inklusive Mobilität.
Was sind aktuell deine größten Herausforderungen?
Die technische Hauptaussorung besteht darin, eine absolut zuverlässige Indoor-Ortung mit der für die Navigation notwendigen Präzision in komplexen Umgebungen wie unterirdischen Bahnhöfen zu garantieren. Gängige Ansätze, wie die WLAN-basierte Ortung, erfordern derzeit noch eine sehr aufwendige Kalibrierung und kontinuierliche Optimierung.
Eine weitere Hürde ist die Erstellung und Pflege hochwertiger räumlicher Indoor-Daten. Obwohl sich IMDF als neuer Standard etabliert, wird die Verbreitung durch den Mangel an zugänglichen Software-Werkzeugen und die Komplexität bei der Transformation bestehender GIS-Daten erschwert.
Ebenso kritisch ist die kontinuierliche Nutzer-Validierung: Um eine Benutzeroberfläche zu entwickeln, die den realen Bedürfnissen blinder und sehbehinderter Menschen entspricht, braucht es iterative Testschleifen und eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Zielgruppen. Nicht zuletzt hängt die Skalierung unserer Lösung von langfristigen Partnerschaften mit Verkehrsbetrieben und der Integration in bestehende Mobilitätssysteme ab, was sowohl technische als auch organisatorische Herausforderungen mit sich bringt.
Was ist dein Ziel für die EXIST-Women-Laufzeit?
Unser Ziel für die Laufzeit von EXIST-Women ist es, den Prototypen signifikant zu verbessern und NovaGuide intensiv auf den realen Praxiseinsatz vorzubereiten. Das umfasst die Optimierung der Indoor-Ortung, die Verfeinerung des App-Interfaces und strukturierte Nutzertests mit Betroffenen.
Gleichzeitig möchten wir die Erstellung der digitalen Indoor-Karten vereinfachen, um unsere Lösung schnell auf weitere Standorte skalieren zu können. Parallel dazu werden wir intensiv an unserem Geschäftsmodell arbeiten und strategische Partnerschaften mit Verkehrsbetrieben festigen.